Shakespeare Kurs
1. - 8. August 2006
Shakespeare Kurs
1. - 8. August 2006
Meine Eltern, immer noch bei bester Gesundheit mit 80, respektive 91 Jahren!
Mein Haus ganz links mit gelber Store, im Hintergrund Mitte das Spalentor.
Das Spalentor am Anfang meiner Strasse
30.7.06: Kolkata - Heathrow - Stratford
Der Abschied von Kolkata fiel uns schwer und der Empfang in Heathrow war auch reichlich europäisch: wo ist der Service? wer hilft uns weiter? was ist das für ein komisches Restaurant wo man alles selber holen muss?
Nach dem langen Flug schien es fast unmöglich, mit OEV nach Stratford zu kommen. So entschlossen wir uns, ein Auto zu mieten und fuhren los. Es war eine ausgesprochen schöne Fahrt durch die hübsche englische Landschaft. Am Morgen Abfahrt in Kolkata, Abendessen in Oxford. Wir fanden das schon Klasse!
Etwas später kamen wir in Stratford an, natürlich rechtschaffen müde aber auch nicht übermotiviert für diesen Shakespeare-Kurs. Wie gross war dann die Überraschung, dass es ein hoch interessanter Kurs ist, mit tollen Vorlesungen, Diskussionsrunden und Gesprächen mit den Schauspielern. Uni Basel macht ihrem Ruf alle Ehre und Anne-Sophie schwelgt in der intellektuellen Atmosphäre. Das Wetter ist allerdings ein Wermutstropfen, meine Knochen ächzen und wir brauchen wohl dringend warme Unterschwäsche und/oder warme Pullis.
Der Jetlag macht uns auch etwas zu schaffen, aber wir hoffen, das Problem mit einer extra Siesta lösen zu können. In diesem Sinne wünschen wir Euch allen einen erholsamen Schlaf!
17.8.06: Shakespeares Country
ich geb's zu, der klimatische Wechsel war extrem happig für mich. Meine Knochen protestieren nur noch, und erst nachdem ich mich mit langer Unterwäsche und warmen Pullis eingedeckt habe, hatte ich wieder etwas Energie für den tollen Kurs.
Wir haben Weltklasse Aufführungen von Shakespeare gesehen - bis zu 6 Std. täglich - plus Vorlesungen, Besprechungen mit Schauspielern und Sprechtraining. Diese Anstrengung hat sich echt gelohnt. Für heute abend freuen wir uns auf eine moderne Aufführung (Kuba in den 50er-Jahren) von "Viel Lärm um Nichts".
Da ich immer noch mein Auto habe, nutzen wir die Freizeit für einige Ausflüge in die Gegend und wir bekommen hier das vereinigte Postkarten-England von Jane Austen, Wordsworth und natürlich Shakespeare zu sehen. Es ist einfach lieblich, die Hausboote tuckern den Avon entlang, es gibt mittelalterliche Städtchen und romantische Brücken. Dazwischen wird unter flatternden Weiden gepicknickt, ich muss mir immer wieder in die Wange kneifen, ob das alles wirklich echt ist. Es ist und wirkt noch museumshafter als ich die Schweiz in nun schon verschwommener Erinnerung habe.
Morgen werden Anne-Sophie und ich uns absetzen (bei aller Liebe zu Shakespeare schenken wir uns Henry VI, Part III) und werden uns noch weiter in die Landschaft wagen, vielleicht ein paar Schlösser besuchen und evtl. die Ironbridge entdecken, die älteste Eisenbrücke der Welt, ca. 1800.
Coventry liegt auch ungefähr auf dem Weg, nach all dem Tudor-Theater und Glanz der Moguln ein eher düsterer Ausflug in den 2. Weltkrieg. So begleitet uns die Geschichte bis zum Schluss unserer schönen und gelungenen Reise.
Montagmorgen teilen sich unsere Wege, ich fliege zurück zu meinen diversen Terminen, Anne-Sophie freut sich auf ein langersehntes Wiedersehen mit den Grosseltern in Frankfurt.
Wir haben unsere Reise in Schloss Windsor, in St.George's Chapel mit einem kleinen Gottesdienst beendet. Wir waren glücklich und dankbar, dass alles so gut ging und als Abschiedszückerchen bekamen wir noch einen Gratisaufstieg im Heissluftballon über Stonehenge. Niemals zuvor wurde das offeriert und es wird auch nie mehr geschehen. Das nennt man Glückspilze!
14.8.06: Basel
Heute geht unser kleiner Zwischenstopp in der Schweiz schon wieder zu Ende. In einem Anfall von treusorgender Mütterlichkeit habe ich nämlich beschlossen, dass ich meine Tochter zum Schulanfang in die Schule begleiten muss. Da die Schule in Peking ist, müssen wir halt nach Moskau fliegen und dort die Transsibirische Eisenbahn bis nach Peking nehmen. Ist doch voll logisch - oder nicht? Meine Tochter hat sich allerdings energisch verbeten, dass ich sie tatsächlich bis vor das Schultor begleite, kann ich noch knapp verstehen.
Im Klartext heisst das: morgen früh Zug nach Zürich, Flug nach Moskau, express Stadtbesichtigung und abends auf den Zug. Darin sitzen wir dann (ich nenne es auch freiwilliger Freiheitseinzug) sechs Tage nonstop. Wir werden wohl mit einem Zug-Koller aussteigen, evtl. werdet Ihr auch Nachrichten hören von einem tragischen Familienkonflikt auf der Transsib, aber auf jeden Fall ist es Stoff für einen Krimi.
In Peking soll es immer noch über 30 Grad warm sein, da kann ich endlich wieder mal meine armen Knochen aufwärmen. Ich will mich jetzt nicht über das Schweizerwetter auslassen, da kriegt man ja nur noch Depressionen.
Mit etwas Glück werdet Ihr aus Peking mehr hören. Bis dahin grüsse ich Euch alle und wünsche Euch vor allem:
BESSERES WETTER!