Basel-Mantua
(15.-17. Oktober 2007)
Basel-Mantua
(15.-17. Oktober 2007)
Es war bezaubernd, aber Mantua hat noch viel mehr zu bieten als fast verschüttete Jungmädchenträume. Das Teatro Bibiena ist eine barocke Kostbarkeit, wo der kleine Mozart im damals hochmodernen Neubau sein Publikum begeisterte, wo aber auch Vater Leopold sich anerkennend über die gute Akustik äusserte. So geht es weiter mit Renaissance-Kirchen und prächtigen Gartenanlagen, einer hochaktuellen Ausstellung über das italienische Rinascimento und zu meinem Entzücken liegt noch ein See fast ringsum Mantua. Man soll sogar von hier mit dem Schiff nach Venedig reisen können, was die gräflichen Gonzagas oft taten. Mantua hat den Charme einer verschlafenen Kleinstadt und wie zum Beweis ziehen die Geschäfte über Mittag die Läden herunter: italienische Lebenskunst.
Zum Schluss besuchte ich eine als Geheimtip gehandelte Osteria, als Tourist merkt man gar nicht, dass dort ein Restaurant ist. Beim Eingang wird gewarnt: „Oggi servizio lento“, aber selten bin ich so speditiv bedient worden. Zu meiner grossen Freude sitze ich plötzlich der Kassierien vom Teatro Bibiena gegenüber, die mich freundlicherweise überall fotografieren liess, auch dort wo es offiziell keinen Zugang gibt. Wir tauschen uns aus über unsere Töchter und die Schulsysteme, dass sie eigentlich Jazz-Sängerin sei und wie teuer Italien ist. Nach Wein und lokalen Spezialitäten nehme ich den Zug nach Genua. Wie soll Genua mit Mantua konkerrieren können?
Nach fast 40 Jahren sind wir uns nun endlich begegnet. Ich bin darüber fett und faltig geworden, sie aber strahlt in unberührter Frische und sieht immer noch erwartungsvoll ihrer Zukunft entgegen, die nun doch schon vor fast 550 Jahren stattgefunden hat.
Als Mädchen las ich einen historischen Roman über sie, Barberina Gonzaga, und seit diesen Tagen stand fest, ihr einmal von Angesicht zu Angesicht gegenüberzutreten. Fast standesgemäss wohne ich selber in einem alten Palazzo und habe sie ihrerseits im Palazzo Ducale der Familie Gonzaga besucht. Ebenso standesgemäss nahm sie keine Notiz von mir, aber warum sollte sie auch, die schöne Tochter des Grafen Ludovico und seiner Frau Barbara von Brandenburg, der sie übrigens wie aus dem Gesichte geschnitten ist.